Warum Nachhaltigkeit nervt

Nachhaltigkeit. Das Thema ist «irgendwie wichtig» und viele Unternehmen versuchen jeweils auf ihre eigene Art, sich damit auseinanderzusetzen. Für das Marketing nach aussen exzellent geeignet, für die interne Kommunikation eher mühsam. Was können denn Unternehmen machen, um «nachhaltig» zu sein – und was ist das überhaupt?

  

Regelmässig bietet die Hochschule Luzern mit ihrer Veranstaltungsreihe «IKM-Update» superspannende Vorträge zu unterschiedlichen Themen an. Alles rund um Marketing und Kommunikation. Beim letzten Mal ging es um das Thema Nachhaltigkeit im Unternehmen. Inputs kamen von drei Personen aus der Praxis: Riccardo Decarolis von WeAct, Rahel Kissel von der Migros Luzern sowie Heinz Nussbaumer von Pistor. Der Blogartikel ist kein Review des IKM-Events, fasst dafür aber die aus meiner Sicht wichtigsten und interessantesten Gedanken zusammen.

Wieder so ein Wort, das niemand definieren kann

Ja, tatsächlich ist Nachhaltigkeit ein so generischer und umfassender Begriff, dass zwar jede_r ungefähr weiss, was gemeint ist, aber en detail wird es schwieriger. Was also ist Nachhaltigkeit? Heinz Nussbaumer brachte eine historische Definition, die aus den 70er-Jahren des vorletzten Jahrhunderts stammt: «Man sollte nicht mehr abholzen, als nachwachsen kann.» Sprich: es geht um Ressourcen. Um Holz, Energie, Benzin und eben alles, was sich darunter subsummieren lässt.

Wie mache ich mein Unternehmen nachhaltig?

Die Antwort auf die Frage, wozu es nachhaltiges Handeln braucht, beantwortet das historische Zitat oben im Grunde schon genug. Wir sollten sorgfältig mit unserer Erde und der Natur umgehen und idealerweise trägt jede_r ein bisschen dazu bei. Im Sinne einer Corporate Responsability sind Unternehmen (und natürlich auch grosse Organisationen) wichtige Player, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Erstens, weil viele dieser Akteure tatsächlich viel dazu beitragen können, um weniger Ressourcen zu brauchen. Etwa ein Logistikunternehmen, das seine Lieferwege verkürzt. Eine Produktionsfirma, die weniger Wasser bei der Produktion verbraucht. Und so weiter.

 

Zweitens, weil gerade Organisationen mit grossen Mitarbeiter_innenzahlen auch nach innen eine starke Wirkung entfalten können. Soll den Mitarbeitenden die Nachhaltigkeit näher gebracht werden, sollte das Management eine Vorbildfunktion einnehmen, nachhaltiges Handeln sollte im Leitbild der Unternehmung verankert sein und idealerweise zum Teil der unternehmerischen DNA werden. Vom vegetarischen oder veganen Tag in der Mensa bis hin zu grösseren Events ist grundsätzlich alles möglich. Wichtig dabei: die Mitarbeiter_innen zu Wort kommen lassen und ernsthaftes Feedback einholen. Keine Massnahmen von oben ohne Dialog.

Deshalb nervt Nachhaltigkeit

Rahel Kissel von der Migros teilte die Erfahrung, dass die Mitarbeitenden auch eine gewisse «Aktionsmüdigkeit» entwicklen können. Wird eine nachhaltige Aktion nach der nächsten umweltschonenden Handlung gebracht, treten Gewöhnung und Ermüdung ein. Nach aussen ist das natürlich nicht anders. Immerhin behauptet heute fast jedes Unternehmen, in irgendeiner Art nachhaltig zu sein. Für mich heisst das: in der Kommunikation nach aussen sollte man möglichst konkret werden. Kundennutzen mit der Umweltfreundlichkeit der Produkte verbinden, allgemeine Aussagen ohne Substanz vermeiden. Statt Nachhaltigkeit kann der Begriff zudem aufgefächert werden und so konkreter werden. Naheliegende Themenbereiche sind z. B. soziale Verantwortung, ressourcenschonende Produktion usw.

Nachhaltigkeit ist teuer

Im Idealfall lässt sich durch eine effizientere Produktion auch gleich nachhaltiges Handeln umsetzen. Solche Einsparungen haben allerdings grenzen. Also: Wer wirklich nachhaltig sein möchte, muss zahlen. Nachhaltigkeit kostet, braucht jede Menge Mut und erfordert langfristiges Denken.

Zuletzt noch ein paar Eindrücke des IKM-Updates.