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On the Move: Arbeit und Migration in der Schweiz

Ein Schweizer Forschungszentrum erhebt regelmässig Daten rund um das Thema Migration in der Eidgenossenschaft. Als Migrantin wurde ich vor einer Weile zu dem Survey eingeladen und fand es deshalb spannend, einen Blick auf die Ergebnisse der Studie zu werfen. Denn: die Schweiz ist nicht nur ein Einwanderungsland, sondern auch und gerade die Arbeitswelt ist stark geprägt von der Einwanderung.

Der Survey trägt den passenden Namen «on the move» und wird The National Centers of Competence in Research im Auftrag der Swiss National Science Foundation durchgeführt. Aller zwei Jahre werden neue Daten erhoben. Die hier beschriebenen Ergebnisse stammen allerdings noch nicht vom 2018 durchgeführten Survey, sondern aus den zwei Jahre zuvor erfassten Daten. Die Daten basieren also auf der Erhebung, die im Jahr 2016 stattfand und beziehen zusätzlich noch vom Bund erfasste statistische Daten mit ein.

 

Migration in der Schweiz

So – aber von wem sprechen wir, wenn es um «die Migrant_innen» geht? Seit 25 Jahren wandern mehr Menschen in die Schweiz ein als auswandern. Rund zwei Drittel dieser Personen stammen aus Europa, darunter an erster Stelle Deutschland, Italien und Frankreich. Bei den Migrant_innen aus Drittstaaten, die ein Drittel ausmachen, sind als Herkunftsländer Kosovo und Russland ganz oben. Unabhängig von der Herkunft sind die Einwanderer eher jung. 

 

Pro 1´000 Einwohner_innen gibt es 18.5 Migrant_innen in der Eidgenossenschaft. Logischerweise verteilen sich die Immigrant_innen allerdings nicht gleichmässig auf Kantone und Gemeinden. Besonders viele Migrant_innen gibt es in den Kantonen Genf und Basel-Stadt, deutlich weniger beliebt (und somit am unteren Ende der Liste) sind Schwyz, Nidwalden und Jura. Auch klar: Einwanderer aus Frankreich gehen lieber in die Westschweiz, Deutsche tendieren zu Kantonen in der Deutschschweiz. Anderer Gruppen von Migrant_innen zeigen hingegen keine Präferenz für bestimmte Kantone oder Sprachregionen.

Arbeit zieht Menschen in die Schweiz

Im Grunde wenig überraschend: der mit Abstand wichtigste Grund für Einwanderer in die Schweiz ist die Arbeit. Das sagen vor allem europäische Migrant_innen, die auch die grösste Gruppe der Einwanderer in die Schweiz darstellen. Dabei geht es nicht um irgendeine Arbeit: Mit steigender Tendenz – zum Zeitpunkt der Befragung traf das auf die Hälfte der Proband_innen zu – sind die Immigrant_innen hochqualifiziert. Ganz besonders übrigens Zuwanderer aus angelsächsischen Ländern. Der Anteil von hochqualifizierten Männern und Frauen ist fast gleich, aktuell haben die Frauen hier sogar die Nase vorn.

 

Nicht alle können ihre hohe Qualifikation allerdings nutzen: nur 40 Prozent gaben an, ihre berufliche Ausbildung voll nutzen zu können. Dafür konnte die Mehrheit durch Migration ihre berufliche Situation verbessern. Allgemein zeigt sich, dass die Migration positive Auswirkungen auf das Berufsleben hat. 

Nicht alle Branchen sind beliebt

In bestimmten Branchen sind deutlich mehr Migrant_innen zu finden als in anderen. Teilweise sind deutlich mehr als die Hälfte der Angestellten Immigrant_innen – zum Beispiel im Dienstleistungssektor, der Baubranche und bei niedrigqualifizierten Arbeiten. Köch_innen (59%), Maschinenführer_innen (62%) oder Putzpersonal (70%) sind Beispiele für solche Jobs. Andere Arbeitsfelder hingegen sind weniger beliebt bei Einwanderern. Dazu zählen die Landwirtschaft, Floristik, frühkindliche Erziehung sowie der öffentliche Dienst und das Beamtentum.

 

Zufriedenheit und Integration

Was die Migrant_innen in der Schweiz eint: die meisten sind zufrieden mit ihrem Leben in der Eidgenossenschaft. Unabhängig von Geschlecht, Beschäftigungssektor oder Nationalität. Die sozialen, persönlichen und familiären Beziehungen sind stimmig und ein Grossteil der Einwanderer bereut den Entschluss nicht, in die Schweiz gegangen zu sein. Auch der Grund, weshalb die Menschen in die Schweiz kamen, hat keinen Einfluss auf die Zufriedenheit mit dem Entschluss an sich.

 

Ein spannender Indikator dafür, wie gut Menschen sich in ihre Wahlheimat integrieren, ist aus meiner Sicht das Interesse an Politik. Über die Hälfte der Migrant_innen interessiert sich für Schweizer Politik – zusätzlich zu den politischen Vorkommnissen im Heimatland. Zudem spielt auch der Bildungsabschluss eine Rolle, wie stark das Interesse an Politik in der Schweiz und auch allgemein ist.

 

Viele der Migrant_innen fühlen sich zur Schweiz zugehörig. Das schliesst allerdings nicht aus, dass parallel dazu noch ähnliche Gefühle für das Heimatland vorhanden sind. Der Einreisegrund spielt dabei weniger eine Rolle – eher die Herkunft der Einwanderer. Bestimmte Nationalitäten – darunter Indien und Westafrika – fühlen sich stärker zugehörig als andere Gruppen.

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